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Das Lexikon der Selbstmoerder

 

Image»Selbstmord ist ein stets vorhandener Notausgang«, schrieb Hermann Hesse im »Steppenwolf«. Doch was muss passieren, damit man die Tür zu diesem Notausgang wirklich aufstößt? Was trieb Kurt Tucholsky dazu, einen Zettel mit der Bitte zu schreiben, ihn in Ruhe sterben zu lassen? Warum beendete Dalida, die weltweit rund 120 Millionen Schallplatten verkauft hat, kurz nach einem erfolgreichen Film ihr Leben durch Schlaftabletten? Weshalb erschoss der »Friedensgeneral« und Politiker Gert Bastian seine Lebensgefährtin Petra Kelly und anschließend sich selbst? Ruhm und Reichtum scheinen kein Allheilmittel gegen das Phänomen des Freitodes zu sein. Kleopatra VII., Nero, Vincent van Gogh, Klaus Mann, Raimund Harmstorf, Jean Seberg und Rex Gildo - sie alle und viele andere beendeten ihr Leben durch eigene Hand. Oft verheimlicht, totgeschwiegen und verdrängt - Selbstmord ist auch heute noch ein Tabuthema.

In mühsamer Recherchearbeit haben Gerald Grote, Michael Völkel und Karsten Weyershausen deshalb die Geschichte hinter der Geschichte ans Tageslicht gebracht: die Lebensstationen, die in anderen Personenlexika in der Regel verschwiegen werden. Was für Beweggründe führten zu der Verzweiflungstat? Gibt es Andeutungen in Arbeit und Privatleben? Wie äußerten sich Zeitzeugen und Angehörige? Welche Formulierungen wurden in den Abschiedsbriefen gewählt? »Die Umstände des Todes werfen oft ein ganz anderes Licht auf das Leben«, so ein Fazit der Autoren. »Wenn sich ein scheinbar glücklicher Mensch entschließt, sein Leben zu beenden, tauchen Fragen auf, die es wert sind, geklärt zu werden.« So entstanden über 300 dramatische Lebensläufe von Menschen, die an sich oder den Umständen scheiterten. Oft dramatisch, jedoch sachlich und ohne Voyeurismus beschrieben.

»Wir wollen nicht in das Pathos von Camus verfallen, der den Selbstmord zum einzig bedeuten philosophischen Problem erklärte. Aber dass das Phänomen, wie alle Tabubrüche, einen Sog der Neugier auslöst, bemerkt, wer durch das Lexikon der prominenten Selbstmörder blättert«, schrieb die FAZ in einer Rezension. Die Zeitschrift MAX urteilte: »Eine interessante Lektüre«, und Gaby Helbig bilanzierte im gay-web: »Es ist ein Lesebuch der besonderen Art, das ... auf ungewöhnliche Weise zum Nachdenken anregt.« Nicht nur der Freitod Heinrich von Kleists gibt dazu Anlass: Er hatte seinen Selbstmord lachend und glücklich vorbereitet - wie im Rausch. »Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war« steht in seinem letzten Brief.

Gerald Grote, Michael Völkel, Karsten Weyershausen: Das Lexikon der prominenten Selbstmörder, 354 Seiten, 100 Fotos, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 14,80 Euroo.